Eine B2B-Website ist kein Stapel einzelner Unterseiten. Sie ist ein Vertriebs-, Vertrauens- und Informationssystem. Deshalb lässt sich ein seriöses Budget erst einschätzen, wenn Ziel, Inhalte, technische Anforderungen und Projektrisiken geklärt sind.
1. Die Seitenzahl ist nur ein kleiner Kostenfaktor
Fünf Seiten können sehr einfach sein – oder Mehrsprachigkeit, individuelle Formulare, CRM-Anbindung, Tracking, Migration, strukturierte Daten und komplexe Freigabeprozesse enthalten. Zwei Projekte mit derselben Seitenzahl können deshalb einen völlig unterschiedlichen Aufwand haben.
Für die Kalkulation sind vier Ebenen wichtiger:
- Strategie: Sind Zielgruppe, Angebot und Conversion-Ziel bereits klar?
- Content & UX: Müssen Inhalte neu strukturiert, geschrieben oder visualisiert werden?
- Technik: Welche Funktionen, Systeme und Schnittstellen müssen zuverlässig zusammenspielen?
- Betrieb: Wer pflegt, überwacht, sichert und entwickelt die Seite nach dem Go-live weiter?
2. Diese Faktoren treiben den Aufwand wirklich
Positionierung und Informationsarchitektur
Wenn ein Besucher nicht innerhalb weniger Sekunden versteht, für wen das Angebot gedacht ist und welches Problem gelöst wird, hilft auch ein modernes Design wenig. Gute Projekte beginnen deshalb mit Seitenstruktur, Nutzerwegen und klaren Botschaften.
Individuelles Design und Responsive UX
Eine saubere mobile Nutzerführung, klare Zustände für Formulare, Navigation, Fehlerfälle und barriereärmere Bedienung verursachen Arbeit, die in einem Screenshot nicht sichtbar ist – aber über die Qualität der Website entscheidet.
Integrationen
Kontaktformulare, CRM, Newsletter, Terminbuchung, Analytics, Consent, APIs oder interne Systeme erhöhen nicht nur den Implementierungsaufwand. Sie brauchen auch Fehlerbehandlung, Datenschutz, Tests und eine klare Verantwortung, wenn eine externe Schnittstelle nicht erreichbar ist.
Migration und SEO
Bei einem Relaunch müssen bestehende URLs, Rankings, Weiterleitungen, Metadaten und Inhalte berücksichtigt werden. Ein optisch gelungener Relaunch kann wirtschaftlich trotzdem schlecht sein, wenn wichtige URLs verschwinden oder Suchmaschinen plötzlich andere Signale bekommen.
3. So können Unternehmen den Business Case prüfen
Vor dem Budgetgespräch sollten drei Fragen beantwortet sein:
- Was kostet der aktuelle Zustand? Zum Beispiel verlorene Leads, hohe Pflegezeit, langsame Änderungen oder ein unprofessioneller Außenauftritt.
- Was soll sich nach dem Relaunch konkret verbessern? Mehr qualifizierte Anfragen, bessere Vertriebsunterstützung, schnellere Pflege oder weniger technische Fehler.
- Wie lange soll die neue Lösung sinnvoll nutzbar sein? Ein System, das nach zwölf Monaten wieder ersetzt werden muss, ist selten günstig.
Investition ÷ erwarteter monatlicher Nutzen = grobe Amortisationsdauer. Der Nutzen kann aus zusätzlichem Deckungsbeitrag, eingesparter Arbeitszeit oder vermiedenen Folgekosten entstehen.
4. Warnsignale bei Angeboten
- Der Preis wird genannt, bevor Ziele und Umfang verstanden wurden.
- Es ist unklar, wem Quellcode, Zugänge, Domains oder Inhalte gehören.
- Keine Aussage zu Weiterleitungen, Backups, Sicherheit oder Übergabe.
- „SEO inklusive“ ohne zu erklären, welche konkrete Arbeit damit gemeint ist.
- Formulare und Integrationen werden nur im Happy Path getestet.
- Nach dem Go-live gibt es keine definierte Zuständigkeit.
5. Eine gute Angebotsgrundlage in zehn Minuten
Wenn Sie ein Angebot anfragen, helfen diese Informationen enorm:
- Welche Website existiert heute?
- Wer sind die wichtigsten Zielgruppen?
- Welche Handlung soll ein guter Besucher ausführen?
- Welche Seiten oder Inhalte müssen übernommen werden?
- Welche Systeme müssen angebunden werden?
- Welche Sprachen werden tatsächlich benötigt?
- Wer liefert Texte, Bilder und Freigaben?
- Was funktioniert heute besonders schlecht?
Fazit
Eine B2B-Website sollte nicht nach „Preis pro Seite“ bewertet werden. Entscheidend ist, ob sie Vertrauen aufbaut, den Vertrieb unterstützt, technisch wartbar bleibt und ein reales Geschäftsproblem besser löst als der aktuelle Zustand.